Vernetzungsstelle Seniorenernährung – GUENSTIK
Modellkommune Kiel – Neumühlen-Dietrichsdorf
Hier finden Sie aktuelle Berichte aus der städtischen Modellkommune Kiel – Neumühlen-Dietrichsdorf. Gemeinsam mit Akteur*innen und engagierten Menschen aus dem Quartier Neumühlen-Dietrichsdorf und Umgebung möchten wir durch niedrigschwellige Angebote, Maßnahmen und neue Ideen gesundheitsfördernde Strukturen vor Ort stärken.
Berichte
Am 24. September 2026 hatten wir die Möglichkeit, das Projekt GUENSTIK der bei der Mit-Mach-Konferenz „GESUND ohne Kohle“ des Groschendrehers – Kieler Bündnis gegen Altersarmut e. V. vorzustellen. Rund 15 Personen aus unterschiedlichen Bereichen kamen für unsere Projektvorstellung zusammen, darunter von Armut betroffene Senior*innen sowie Mitglieder von Tafeln, Vereinen oder sozialen Einrichtungen.
In einem zehnminütigen Kurzvortrag wurde das Projekt zunächst vorgestellt. Im Mittelpunkt standen die Zusammenhänge zwischen Ernährungsarmut, Mangelernährung und Sarkopenie im Alter sowie die Ziele des zweijährigen Projekts. Anschließend waren die Teilnehmenden eingeladen, sich zu zwei Fragen auszutauschen: Was braucht die Stadt Kiel, um Ernährungsarmut im Alter und Sarkopenie bzw. Mangelernährung aktiv anzugehen? Wie können Akteur*innen besser zusammenarbeiten?
Besonders intensiv wurde die Frage nach den konkreten Bedarfen und Bedürfnissen vor Ort diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass gesunde Ernährung im Alter eng mit sozialen und strukturellen Rahmenbedingungen verbunden ist. Als wichtige Ansatzpunkte wurden gemeinschaftliche Mittagstische, gemeinsames Kochen und Essen sowie die Verbindung von Begegnungsmöglichkeiten mit alltagsnahen Ernährungsinformationen genannt. Bestehende Angebote sollen sichtbarer gemacht, besser miteinander vernetzt und bei Bedarf durch neue Strukturen ergänzt werden. Ein weiterer Schwerpunkt war die soziale Teilhabe älterer Menschen. Einsamkeit und fehlende niedrigschwellige Angebote können die Teilnahme an der Gesellschaft erschweren. Deshalb wurden wohnortnahe Begegnungsorte und die aktive Beteiligung älterer Menschen an der Gestaltung von Angeboten als besonders wichtig hervorgehoben. Häufig würden jedoch finanzielle Mittel, geeignete Räumlichkeiten und personelle Ressourcen fehlen, um Angebote wie Mittagstische dauerhaft umzusetzen.
Die Teilnahme an der Mit-Mach-Konferenz bot eine wertvolle Gelegenheit, GUENSTIK bekannter zu machen, sich zu vernetzen und neue Anknüpfungspunkte für die Zusammenarbeit zu schaffen. Der Austausch hat gezeigt: Um Ernährungsarmut und Sarkopenie im Alter wirksam zu begegnen, braucht es neben Ernährungswissen vor allem erreichbare Angebote, soziale Begegnungsmöglichkeiten und eine gute Zusammenarbeit der Akteur*innen vor Ort.
Mit dem Quartier Neumühlen-Dietrichsdorf in Kiel haben wir die städtische Modellkommune für das Projekt GUENSTIK gefunden. Bei der Auswahl haben wir neben der räumlichen Nähe zu unserem Standort in Kiel Mitte insbesondere die Zielgruppe des Projekts – von Armut bedrohte und betroffene Senior*innen – sowie den Themenschwerpunkt Ernährungsarmut berücksichtigt. Auf Grundlage demografischer Daten des Kieler Sozialberichts 2025 haben wir die verschiedenen Stadtteile miteinander verglichen und uns für Neumühlen-Dietrichsdorf entschieden.
Mit einem Altenquotienten von 30,5 % liegt Neumühlen-Dietrichsdorf etwas über dem Kieler Durchschnitt. Ausschlaggebend für die Auswahl des Quartiers war jedoch insbesondere der Altersarmutsindikator. Er setzt die Zahl der Leistungsberechtigten der Grundsicherung im Alter ins Verhältnis zur Bevölkerung ab dem gesetzlichen Renteneintrittsalter. Damit lässt sich erkennen, in welchen Ortsteilen ein besonders hoher Anteil älterer Menschen auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen ist. In Neumühlen-Dietrichsdorf liegt der Altersarmutsindikator bei 9,7 % und damit deutlich über dem Kieler Durchschnitt von 8,5 %. Im Vergleich der 18 Kieler Stadtteile belegt das Quartier damit den dritten Platz. Diese Werte verdeutlichen die besondere Bedeutung des Themas Altersarmut für den Stadtteil. Vor diesem Hintergrund ist die Auswahl des Quartiers für das Projektvorhaben GUENSTIK besonders relevant.
Auch die Gespräche mit Akteur*innen vor Ort, wie der Anlaufstelle Nachbarschaft oder dem Büro Soziale Stadt Neumühlen-Dietrichsdorf, verdeutlichen die Bedarfe und Bedürfnisse vor Ort, hinsichtlich der Projektthemenschwerpunkte Ernährungsarmut, Mangelernährung und Sarkopenie. Das Projektvorhaben stieß dabei auf Interesse, ebenso beim Ortsbeirat. In dessen öffentlicher Sitzung Ende August durfte das Projekt kurz vorgestellt werden.
Nun sind wir stetig dabei, weitere Akteur*innen vor Ort zu gewinnen und freuen uns auf die gemeinsame Zusammenarbeit für das Quartier, um gesundheitsfördernde Strukturen vor Ort zu stärken und auszubauen.