Vernetzungsstelle Seniorenernährung

Gesunde Ernährung für Senior*innen – Teilhabe und Integration in der Kommune

Förderung einer ausgewogenen Ernährung im Alter – insbesondere zur Vorbeugung von Sarkopenie

Im Fokus des IN FORM-Projektes "GUENSTIK – Gesunde Ernährung für Senior*innen – Teilhabe und Integration in der Kommune" steht die Förderung einer ausgewogenen Ernährung im Alter – insbesondere zur Vorbeugung von Sarkopenie, dem Verlust von Muskelmasse und -kraft – Info-PDF herunterladen (242 KB). Ziel ist es, älteren Menschen ein möglichst langes, selbstbestimmtes Leben in der eigenen Kommune zu ermöglichen und zugleich pflegende Angehörige zu entlasten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf armutsgefährdeten und -betroffenen Senior*innen. Gemeinsam mit zwei Modellkommunen werden praxisnahe Ansätze entwickelt, um ältere Menschen in prekären Lebenslagen besser zu erreichen und gesundheitsfördernde Strukturen vor Ort zu stärken.

Unsere Ziele

Das Projekt verfolgt drei zentrale Ziele

  • Sensibilisierung & Wissenssteigerung: In den Modellkommunen werden kommunale Akteur*innen sowie Senior*innen und deren Angehörige für Aspekte zur Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen sensibilisiert und befähigt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Unterstützung von ernährungsarmutsbetroffenen Senior*innen sowie auf der Verringerung von Sarkopenie durch die Integration geeigneter Maßnahmen in den Alltag und die berufliche Praxis.
  • Netzwerkaufbau & Arbeitsstrukturen: In den Modellkommunen bestehen tragfähige, ressortübergreifende Netzwerke, die Ernährung, Pflege und Teilhabe im Alter langfristig miteinander verknüpfen und koordinieren.
  • Kommunale Verankerung: In die Tätigkeiten der Modellkommune werden Aspekte zur Verbesserung der Lebensqualität insbesondere von Ernährungsarmut betroffener Senior*innen hinsichtlich der Verringerung von Sarkopenie integriert.

Berichte aus den Modellkommunen

Wir freuen uns sehr, dass wir mit Kropp und Kiel – Neumühlen-Dietrichsdorf zwei Modellkommunen aus Schleswig-Holstein für das Projekt gewinnen konnten.

ländliche Modellkommune Kropp

städtische Modellkommune Kiel – Neumühlen-Dietrichsdorf


Aktuelles

Wie können wir Ernährungsarmut im Alter begegnen und soziale Teilhabe stärken? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 130 Teilnehmende beim Online-Fachtag „Ernährungsarmut verstehen-Herausforderungen erkennen, Teilhabe stärken“ am 7. Oktober 2026. Anlässlich des 6. Tages der Seniorenernährung hatten die Vernetzungsstellen Seniorenernährung aus Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein gemeinsam zu der Veranstaltung eingeladen.

Als Vernetzungsstelle Seniorenernährung Schleswig-Holstein durften wir das Projekt GUENSTIK vorstellen und mit einem kurzen fachlichen Input die Themen Mangelernährung und Sarkopenie im Alter in den Mittelpunkt rücken. Dabei wurde deutlich, wie eng finanzielle Benachteiligung, Ernährungsrisiken und gesundheitliche Einschränkungen miteinander verbunden sind. Gerade armutsgefährdete ältere Menschen können ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Nährstoffversorgung haben. Eine Mangelernährung kann wiederum den altersbedingten Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft, die sogenannte Sarkopenie, begünstigen. Damit wurde deutlich, wie wichtig es ist, Ernährungsarmut nicht nur als finanzielle Herausforderung, sondern auch im Hinblick auf die Gesundheit und Lebensqualität älterer Menschen zu betrachten.

Weitere fachliche Impulse ergänzten diese Perspektive: Tanja Kaufmann vom Max Rubner-Institut stellte Forschungsergebnisse aus dem Projekt Ernährungs- und Lebenssituation von Seniorinnen und Senioren in Armut (externer Link) (ELSinA) vor und beleuchtete die Herausforderungen armutsbetroffener Seniorinnen sowie deren Bewältigungsstrategien und Ressourcen im Umgang mit Ernährungsarmut. Elke Schilling widmete sich dem Thema Einsamkeit und stellte das Angebot von Silbernetz e. V. (externer Link) vor. Die Beiträge machten deutlich, dass Ernährung, Gesundheit und soziale Teilhabe im Alter eng miteinander verknüpft sind.

Nach einer kurzen Pause bot der Fachtag Gelegenheit, die aktuellen IN FORM Projekte der fünf Vernetzungsstellen zur Prävention von Ernährungsarmut kennenzulernen. Zwei Praxisbeispiele zeigten außerdem, wie konkrete Angebote vor Ort Begegnungen schaffen und soziale Teilhabe fördern können: das „Soziale Rezept gegen Einsamkeit“ (externer Link) aus dem ELSiNa-Aktionsplan sowie der offene Mittagstisch der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Eidelstedt, vorgestellt von Uwe Loose.

Der Fachtag bot wertvolle Einblicke, neue Impulse und Raum für den Austausch zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren. Für uns als Vernetzungsstelle Seniorenernährung Schleswig-Holstein war es eine gute Gelegenheit, das Projekt GUENSTIK vorzustellen und auf die Bedeutung von Mangelernährung und Sarkopenie im Zusammenhang mit Ernährungsarmut im Alter aufmerksam zu machen.

Unser Fazit: Ernährungsarmut im Alter zu begegnen und soziale Teilhabe zu stärken, gelingt nur gemeinsam. Dafür braucht es neben weiteren Forschungserkenntnissen engagierte Menschen, starke Netzwerke und niedrigschwellige Angebote vor Ort, die sich an den Bedürfnissen älterer Menschen orientieren.

Ein herzliches Dankeschön an alle Referierenden und Teilnehmenden für die wertvollen Impulse und den lebendigen Austausch!

Aktuelle IN FORM-Projekte aus den anderen Vernetzungsstellen finden Sie hier:

Wir freuen uns, das neue, vom BMLEH geförderte IN FORM-Projekt GUENSTIK in der Vernetzungsstelle Seniorenernährung Schleswig-Holstein zu starten.

Seit dem 1. Juli 2026 wird das Projekt umgesetzt und Gespräche mit relevanten Akteur*innen in Kommunen in Schleswig-Holstein geführt. Gemeinsam mit zwei interessierten Modellkommunen sollen tragfähige Netzwerke aufgebaut und Arbeitskreise etablieren werden. Ziele sind:

  • Sakopenie zu vermeiden oder den Krankheitsverlauf zu verzögern, damit
  • einen Pflegebedarf zu vermeiden oder eine Erhöhung des Pflegebedarfs zu verzögern
  • pflegende Angehörige zu entlasten.

Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit unseren zukünftigen Kooperationspartner*innen!

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie in unserem Projekt-Steckbrief.


Materialien

Im Rahmen des Projekts werden an dieser Stelle zielgruppengerechte Factsheets sowie weitere Materialien und Medien veröffentlicht. Sie greifen zentrale Themen des Projektes auf und unterstützen dabei, Wissen verständlich aufzubereiten und in die Praxis zu übertragen.


Fachliche Grundlagen und Projekthintergrund

Eine ausgewogene Ernährung ist eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit, Selbstständigkeit und Lebensqualität im Alter. Gleichzeitig sind viele ältere Menschen von Altersarmut, gesundheitlichen Einschränkungen oder sozialer Isolation betroffen. Diese Faktoren erschweren häufig den Zugang zu einer bedarfsgerechten Ernährung und erhöhen das Risiko für Fehl- und Mangelernährung, insbesondere in ländlichen Regionen, in denen Versorgungsangebote oftmals nur eingeschränkt verfügbar sind.

Was bedeutet Ernährungsarmut?
Ernährungsarmut liegt vor, wenn Menschen aufgrund begrenzter finanzieller Möglichkeiten nicht in der Lage sind, sich dauerhaft gesund und ausgewogen zu ernähren. Der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlichen Verbraucherschutz (WBAE) bezeichnet dies als materielle Ernährungsarmut. Darüber hinaus umfasst Ernährungsarmut auch eine soziale Dimension. Essen ist mehr als die reine Nahrungsaufnahme: gemeinsame Mahlzeiten, Cafébesuche oder das Einladen von Familie und Freunden sind wichtige Bestandteile sozialer Teilhabe und Lebensqualität. Können Menschen aus finanziellen Gründen daran nicht teilnehmen, spricht der WBAE von sozialer Ernährungsarmut. (WBAE, März 2023)

Die gesellschaftliche Relevanz des Themas zeigt sich in den Armutszahlen: In Deutschland sind nach Schätzungen des statistischen Bundesamtes 13,3 Mio. Menschen (16,1 % der Bevölkerung) von Einkommensarmut bzw. Einkommensgefährdung betroffen. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 % des mittleren Netto-Einkommens der Bevölkerung hat. Ältere Menschen sind überdurchschnittlich häufig von Armut betroffen: Fast jede fünfte Person ab 65 Jahren gilt als armutsgefährdet (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2024). In Schleswig-Holstein lag die Armutsgefährdungsquote der Menschen ab 65 Jahren im Jahr 2024 bei 18,5 %. Frauen dieser Altersgruppe waren mit 20,1 % überdurchschnittlich häufig armutsgefährdet (siehe Sozial- und Gesundheitsmonitoring Schleswig-Holstein "Relative Einkommensarmut" – externer Link). Damit wird deutlich, wie wichtig es ist, (Ernährungs-) Armut im Alter sowohl als gesundheitliche als auch als gesellschaftliche Herausforderung zu betrachten.

Mit dem IN FORM-Projekt "GUENSTIK – Gesunde Ernährung für Senior*innen – Teilhabe und Integration in der Kommune" entwickelt die Vernetzungsstelle Seniorenernährung im Projektzeitraum vom 1. Juli 2026 bis zum 30. Juni 2028 gemeinsam mit einer städtischen und einer ländlichen Modellkommune nachhaltige Maßnahmen, um die Ernährungssituation älterer Menschen in prekären Lebenslagen zu verbessern. Bestehende Netzwerke werden dabei genutzt und weiterentwickelt. Gleichzeitig werden kommunale Akteur*innen, die in engem Kontakt zur Zielgruppe stehen, aktiv in den Entwicklungsprozess einbezogen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Prävention von Mangelernährung und der damit verbundenen Sarkopenie, dem Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und Muskelfunktion. Beide Erkrankungen können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben und unter anderem das Risiko für Mobilitätseinschränkungen, Stürze, Schluckstörungen und somit Pflegebedürftigkeit erhöhen. Auch die soziale Teilhabe wird zunehmend eingeschränkt. Für ältere Menschen, die von Ernährungsarmut betroffen sind, ist das Risiko besonders hoch, da eine ausgewogene Ernährung häufig sowohl aus finanziellen Gründen als auch aufgrund eines eingeschränkten Zugangs zu geeigneten Lebensmitteln oder fehlender Ernährungsinformationen schwer umzusetzen ist.

Auch die pflegenden An- und Zugehörigen stellen eine wichtige Zielgruppe dar. Die Pflege von Menschen mit zunehmenden Mobilitätseinschränkungen stellt sowohl eine psychische als auch insbesondere eine körperliche Belastung dar. Pflegende sind aktiv in deren Mahlzeitengestaltung eingebunden und müssen zugleich die eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit bestmöglich erhalten.

Das Projekt setzt deshalb auf Information, Vernetzung und praxisnahe Maßnahmen, um gesundheitsfördernde Strukturen für alle Beteiligten in den Kommunen nachhaltig zu entwickeln und zu stärken. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung einer ausgewogenen, für die Erkrankung Sarkopenie besonders relevanten proteinreichen Ernährung zu fördern und Erkenntnisse sowie erprobte und bewährte Ansätze über die Modellkommunen hinaus nutzbar zu machen.

Über IN FORM

Für den im Jahr 2008 vom Bundeskabinett beschlossenen Nationalen Aktionsplan IN FORM - Deutschlands Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung - sind zwei Bundesressorts federführend zuständig: das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Bereich Ernährung und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im Bereich Bewegung. Ziel ist, das Ernährungs- und Bewegungsverhalten der Menschen dauerhaft zu verbessern. Weitere Informationen unter: https://www.in-form.de/