Nachhaltigkeit in der GemeinschaftsVerpflegung

Die Zukunft kocht regional und bio

Ein Projekt mit Volker Fuhrwerk und zukünftigen Köch*innen in Schleswig-Holstein

Schleswig-Holstein ist stark landwirtschaftlich geprägt: Mehr als 11.000 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften etwa 62 % der Fläche des Bundeslandes – eine Chance für den Einsatz vieler regionaler Lebensmittel in den Küchen der Gemeinschaftsgastronomie. 7,5 % dieser Betriebe arbeiten laut Aussagen der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (Stand 2023) derzeit nach den Richtlinien des Ökolandbaus.

Das Projekt

Um die Wertschöpfungsketten von regionalen und biologisch erzeugten Lebensmitteln zu stärken und den Bekanntheitsgrad und die Akzeptanz dieser Produkte bei Akteur*innen in der Gemeinschaftsverpflegung zu erhöhen, entwickelte die DGE – Sektion Schleswig-Holstein 2025 im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz einen Projekttag für Berufsschulen in Schleswig-Holstein. Ziel war, Auszubildende im Bereich Gastronomie / Gemeinschaftsverpflegung / Hauswirtschaft für den Einsatz regionaler und ökologisch erzeugter Produkte zu sensibilisieren.

Die Berufsschule Elmshorn, das RBZ am Schützenpark Kiel, die Gewerbeschule Lübeck, das RBZ-Hannah-Arendt-Schule Flensburg, die Elly-Heus-Knapp Schule Neumünster und die BS Ostholstein-Neustadt nahmen an dem Projekt teil.


Der Projekttag

Der Projekttag gliederte sich in zwei Teile und wurde an allen Schulen einheitlich umgesetzt.

Teil 2: An die Töpfe ...

In der anschließenden Praxisphase bereiteten die Auszubildenden mit regionalen und saisonalen Bio-Lebensmitteln teils landestypische Gerichte zu. Die Rezepte dafür wurden vom schleswig-holsteinischen Spitzenkoch Volker Fuhrwerk erarbeitet, der selbst ein Betriebsrestaurant leitet, hier Köch*innen ausbildet und bereits viele Bio-Lebensmittel einsetzt. Volker Fuhrwerk leitete die Auszubildenden bei ihrer Arbeit in der Küche an, steuerte viele wertvolle Informationen und Erfahrungen aus seiner Berufspraxis bei und zeigte die Möglichkeiten des ansprechenden Anrichtens – denn bekanntermaßen isst das Auge mit.


Die Rezepte

Volker Fuhrwerk entwickelte Rezepte für die Individualgastronomie, die neben der Regionalität und Bioqualität auch den Aspekt der Saisonalität berücksichtigen. Ein großer Teil waren pflanzenbetonte Rezepte. Es wurden primär unverarbeitete Lebensmittel in Bioqualität (bis auf Salz, was es nicht in Bioqualität gibt) verwendet.

Um für Anbietende der Gemeinschaftsverpflegung ein verlässliches Angebot an Lebensmitteln zu gewährleisten, wurde ein Anbieter aus Schleswig-Holstein gewählt, der ausschließlich mit Bioprodukten handelt und dementsprechend immer lieferfähig war oder Alternativen anbieten konnte. Entsprechende Lieferbeziehungen sind eine wesentliche Basis für ein gelingendes Angebot in der Gemeinschaftsverpflegung.

In der folgenden PDF zum Download stellen wir die Rezepte des Projektes vor und geben Tipps zum Anrichten. Zu jedem Rezept findet sich außerdem ein Optimierungsvorschlag für eine der Lebenswelten: Kita, Schule oder Senior*inneneinrichtung.

Wir wünschen viel Freude beim Nachkochen und guten Appetit!


Spezielle Anforderungen in den Lebenswelten Kita, Schule und Senior*inneneinrichtungen

Betriebe der Gemeinschaftsverpflegung sind wichtige und interessante Arbeitsplätze für angehende Köch*innen und Hauswirtschafter*innen. In den Lebenswelten Kita, Schule und Senioreneinrichtungen weichen die Anforderungen an das Küchenpersonal deutlich von denen der Individualgastronomie ab. Sowohl die ganz Kleinen in der Kita als auch die älteren und hochbetagten Menschen gehören zu den vulnerablen Gruppen und haben teilweise sehr spezifische Nährstoffbedarfe. Gleichzeitig sind häufig die Rahmenbedingungen andere (geringeres Budget, eingeschränkte Küchenausstattung, besondere diätetische Anforderungen, Ausschreibungskriterien etc.). Im Projekt wurden die Auszubildenden für die Besonderheiten der jeweiligen Arbeitsfelder sensibilisiert.

Mithilfe der DGE-Qualitätsstandards passten die Auszubildenden die Rezepte von Volker Fuhrwerk an die Lebenswelten an:

In der Verpflegung von Kitakindern wird besonderes Augenmerk auf altersgerechte Mengen und Texturen und gelegt. Speisen sollten grundsätzlich sparsam gewürzt, kaum gesalzen und zuckerreduziert sowie mit moderatem Fettgehalt zubereitet werden. Für die unter 3-Jährigen gilt es, scharfkantige oder sehr harte Lebensmittel wie ganze Nüsse zu vermeiden, da sie schwer zu kauen sind und leicht verschluckt werden können. Runde Lebensmittel, wie Weintrauben, Heidelbeeren oder Oliven sollten für diese Zielgruppe zerkleinert werden, da sie ebenfalls leicht verschluckt werden können.

Um den Verdauungstrakt der Kleinen nicht zu überfordern, werden Lebensmittel wie Hülsenfrüchte oder Kohl schrittweise in den Speiseplan integriert.

Neue Lebensmittel, insbesondere Gemüse, werden einzeln angeboten, um die Akzeptanz zu fördern.

Speisen mit Alkohol oder Alkoholaromen sollten in der Kitaverpflegung generell nicht verwendet werden. Zudem gilt es auch kulturelle und religiöse Besonderheiten zu berücksichtigen, um allen Kindern ein ausgewogenes Essen zu ermöglichen, bei dem sie sich wohlfühlen.

Nachfolgend finden Sie vier der Rezepte aus dem Projekt mit Optimierungsvorschlägen für die Lebenswelt Kita.

Wer für Schüler*innen und natürlich auch für die Lehrkräfte kocht, muss ein besonderes Auge auf die Bedürfnisse der Tischgäste haben: die Gerichte sollten lecker, sättigend, bezahlbar und nachhaltig sein. Auch ein gutes An- und Abmeldesystem, eine ansprechende Mensa und vor allem eine ausreichend lange Mittagspause sind wichtige Aspekte für die Akzeptanz in der Schulverpflegung.

Die Möglichkeit der individuellen Auswahl einzelner Komponenten wird von vielen Jugendliche als sehr positiv wahrgenommen und steigert die Teilnahme an der Mittagsverpflegung.

Kulturelle und religiöse Besonderheiten sollten berücksichtigt werden, um allen Kindern und Jugendlichen ein ausgewogenes und akzeptiertes Angebot zu ermöglichen.

Speisen, die Alkohol oder Alkoholaromen enthalten, sollten in der Schulverpflegung grundsätzlich nicht zubereitet werden.

Nachfolgend finden Sie vier der Rezepte aus dem Projekt mit Optimierungsvorschlägen für die Lebenswelt Schule.

Mit zunehmendem Alter nimmt der Energiebedarf ab. Gleichzeitig steigt der Nährstoffbedarf, zum Beispiel bei Protein und Calcium, an. Daher muss der Fokus auf Mahlzeiten mit einer hohen Nährstoffdichte (viele Nährstoffe trotz geringer Kalorienzufuhr) liegen, um einer Mangelernährung vorzubeugen.

Die Speisen sollten an individuelle Bedürfnisse angepasst werden, etwa bei Kau- und Schluckbeschwerden durch geeignete Texturen oder bei vermindertem Appetit und eingeschränktem Geschmack durch den gezielten Einsatz von Kräutern und Gewürzen. Der allgemeine Ernährungszustand, mögliche Mangel- oder Fehlernährung sowie altersbedingte Veränderungen, Erkrankungen oder Medikamenteneinnahmen bestimmen weitere Anpassungen, zum Beispiel energiereiche oder proteinreiche Mahlzeiten.

Darüber hinaus sollten kulturelle Aspekte und die persönliche Essbiografie berücksichtigt werden: Tischrituale, Feiertagsessen, saisonale oder regionale Gerichte sowie Lieblingsspeisen aus früheren Zeiten tragen zur Lebensqualität bei. So werden Genuss und gesundheitliche Bedürfnisse gleichermaßen berücksichtigt.

Nachfolgend finden Sie vier der Rezepte aus dem Projekt mit Optimierungsvorschlägen für die Lebenswelt Senior*inneneinrichtungen.


Danke!

Wir bedanken uns für die Durchführung des Projekttags bei den Berufsschulen und den beteiligten Lehrkräften: Berufsschule Elmshorn, RBZ am Schützenpark Kiel, Gewerbeschule Lübeck, RBZ-Hannah-Arendt-Schule Flensburg, Elly-Heus-Knapp Schule Neumünster, BS Ostholstein- Neustadt

Ein ganz besonderer Dank geht an Volker Fuhrwerk für die Mitgestaltung und die praktische Umsetzung des Projekts!