Tag der Seniorenernährung am 06.10.2022

Seniorengerechte Verpflegung im Quartier – gute Mittagstische für unsere Älteren

Unter diesem Titel stand der diesjährige Tag der Seniorenernährung in Schleswig-Holstein.

Der Tag der Seniorenernährung wurde von den Vernetzungsstellen für Seniorenernährung ins Leben gerufen, um die Bedeutung der Ernährung im Alter stärker in den Fokus zu rücken. Den Grund kennen Sie als Akteure selbst am besten: Essen und Trinken beeinflussen in ganz hohem Maße die persönliche Lebensqualität, sind wichtige Bestandteile sozialer aber auch kultureller Identität. Außerdem ruft besonders das Essen, manchmal auch das Trinken Emotionen hervor und nicht zuletzt geht´s uns als Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. auch immer ganz besonders um die Nährstoffzufuhr.

Viele Menschen möchten gerne möglichst lange in der eigenen Häuslichkeit bleiben. Grundlage dafür ist eine bedarfsdeckende Ernährung, für die nicht immer gesorgt ist. Vielfach fehlen in den Kommunen adäquate Verpflegungsangebote für Seniorinnen und Senioren. Gemeinsame Mittagstische (z.B. über die Öffnung eines Mittagstisches für externe Gäste) können nicht nur einen wertvollen Beitrag für die individuelle Ernährung leisten, sondern auch das soziale Miteinander in der Kommune erheblich fördern.

In der Online-Veranstaltung Seniorengerechte Verpflegung im Quartier – gute Mittagstische für unsere Älteren“ wurden Möglichkeiten zur Einführung bzw. Öffnung eines Mittagstisches in Theorie und Praxis aufgezeigt. Die Teilnehmenden bekamen zunächst eine Einführung in das Thema durch die Bundesarbeitsgemeinschaft für Seniorenorganisationen. Aus dem Süden Deutschlands wurden die zwei Projekte „Gemeinsam essen – so nah“ (am Kompetenzzentrum für Ernährung, Bayern) und „Gute Mittagstische im Quartier“ (am Landeszentrum für Ernährung, Baden-Württemberg) vorgestellt. Beide Projekte unterstützen Senioreneinrichtungen bei der Öffnung Ihres Mittagstisches. Gemeinsam soll ein Handlungsleitfaden erstellt und voraussichtlich im März 2023 veröffentlicht werden. Das „i-Tüpfelchen“ der Mittagstische, die Ernährungsbildung, wurde mit praktischen Beispielen dargestellt. Im Interview berichtete eine Leuchtturm-Einrichtung von der Öffnung des Mittagstisches in Ihrer Einrichtung:

Die Vernetzungsstelle Seniorenernährung Schleswig-Holstein auf der Gesundheitsmesse „Aktiv im Alter“ in Bredstedt, September 2022

„Älter werden und fit bleiben – Wie gelingt das?“ fragten sich viele Besucher*innen der Messe „Aktiv im Alter“ in Bredstedt. Im besonderen Fokus stand bei den Ausführungen der Vernetzungsstelle Seniorenernährung Schleswig-Holstein die Lebensmittelgruppe der Hülsenfrüchte, zu denen u.a. Kichererbsen, Kidneybohnen und grüne Erbsen gehören.

Anhand eines Posters wurde der Weg von Ballaststoffen, die die Hülsenfrüchte besonders wertvoll machen, durch den Körper erklärt. Über ein kleines Quiz wurden Anregungen zur Verarbeitung von Hülsenfrüchten gegeben. Sei es das Chilli sin Carne (Kidneybohnen), die Linsenlasagne (Beluga Linsen) oder das Hummus (Kichererbsen). Nach dem Hören und Lernen gab es die Möglichkeit Wraps mit Hummus und/oder Linsen-Aufstrich zu verkosten. „Wat de Buur nich kennt, dat frett he nich“ so sagten zunächst viele der skeptischen Gäste....aber: manchmal ist der Buur eben doch mutig und am Ende hat es allen gut geschmeckt.

Das AWO-Service-und Wohnzentrum Schönkirchen berichtet vom durchgeführten Speiseplancheck, Juni 2022

Das AWO-Service-und Wohnzentrum Schönkirchen hat seinen Vier-Wochen-Speiseplan von der Vernetzungsstelle für Seniorenernährung Schleswig-Holstein kostenfrei überprüfen lassen. Dabei geht es nicht darum zu zeigen was schlecht ist, sondern vielmehr darum, was gut läuft und an welchen Stellen noch Optimierungsbedarf besteht. Frau Gudrun Stange schreibt als Hauswirtschaftsleiterin die Speisepläne der Einrichtung.

Frau Stange, wie sind Sie auf das Angebot des Speiseplan-Checks der VSE SH aufmerksam geworden?

Seit 2016 gibt es bei der AWO ein neues Projekt- Klimafreundlich pflegen. Bis zum Jahr 2050 soll der CO2- Fußabdruck insgesamt in jeder Einrichtung deutlich gesenkt werden. Neben Strom, Wasser, Heizung trägt die Verpflegung erheblich zur Erhöhung des CO2- Fußabdrucks bei. Es besteht also Handlungsbedarf in jeder Einrichtung.

Bei einer online Schulung der DGE wurde den Teilnehmern von dem Speisplan-Check berichtet. Meine Kolleginnen erzählten mir davon. Am nächsten Tag bekam ich mit den Teilnahmebescheinigungen dann auch schriftlich die Information über den geplanten Speiseplan-Check und 2 Termine für kurze online Info-veranstaltungen. Zuerst wollte ich mich gar nicht informieren, ich war sehr skeptisch und auf Kontrolle hatte ich gar“ keine Lust“. Dann aber sah ich die Chance, selbst wenn einige Punkte noch nicht perfekt sind, eine Beurteilung zu bekommen, um so meinen Speiseplan zu optimieren.

Wie lief der Check zeitlich ab? Wie zufrieden waren Sie mit der Organisation?

Eine Woche nach der Informationsveranstaltung habe ich meine Speisepläne über 4 Wochen zu Herrn Selonke gemailt. Man sagte mir, dass es jetzt 4-6 Wochen dauern könnte und dass Frau Pekrun sich dann mit mir telefonisch in Verbindung setzen würde, weil sie sicher noch ein paar Fragen haben würde. (zB. Flammeri gekauft oder selbstgemacht, welches Dressing usw.) So war es dann auch.

Wie zufrieden waren Sie mit der Kommunikation mit der VSE SH? Wurden Ihre Fragen immer zufriedenstellend beantwortet?

Am Telefon erzählte Frau Pekrun schon etwas über die Beurteilung. Nicht viel! Es sollte spannend bleiben- bis zum Schluss! Ich erhielt telefonisch schon Tipps zu Hülsenfrüchten, Desserts und Dressings. Ich fühlte mich dort sehr gut aufgehoben.

Was sehen Sie als die größte Herausforderung in der Seniorenverpflegung?

Es ist häufig schwierig, bei der Zubereitung der Speisen, den Geschmack aller zu treffen. Die neue Richtung, die wir alle einschlagen wollen- weniger Fleisch, vegetarische Kost, mehr Salat, wenig Zucker…, macht es da nicht leichter.  Es wird eine Herausforderung, die Empfehlungen der DGE mit der geforderten Nachhaltigkeit, den Bewohnerwünschen und Gewohnheiten und dem Budget „unter einen Hut“ zu bringen.

Werden Sie nach dem Check Änderungen in der Verpflegung, bzw. in der Planung hierzu vornehmen? Wenn ja, welche?

Der Beurteilungsbogen ist so genial. Ich habe viele Verbesserungsvorschläge und Tipps erhalten. Bei Nudeln, Mehl, Brot, Brötchen möchte ich künftig auch Vollkornprodukte anbieten. Ich möchte noch mehr Salate und Suppen mit Hülsenfrüchten ausprobieren und verkosten und die Auswahl an vegetarischen Gerichten erweitern. Es ist noch viel zu tun und ich danke dem Team der DGE, dass sie mich so motiviert haben.

Haben Sie schon erste Erfahrungen mit Neuerungen wie z.B. mit neuen Rezepten machen können?

Ja. Ich habe schon 2 Suppen (Rote Linsensuppe, Kichererbsensuppe) gekocht und verkosten lassen. Meine Senioren und ich waren sehr zufrieden.

Die VSE SH bedankt sich sehr herzlich bei Frau Stange für den herzlichen und konstruktiven Austausch. Im Anschluss an den Check gab es noch ein paar Telefonate und ein persönliches Nachtreffen.

Je nach Bedarf einer Einrichtung können Gespräche, Treffen oder Schulungen an einen Speiseplancheck angehängt werden.

Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.

Winston Churchill